Que mar bella! soll Königin Isabella von Kastilien vor etwa dreihundert Jahren ausgerufen haben, als sie dort stand, wo heute Marbella liegt. Sie hatte zweifellos Geschmack, die feine Dame aus gutem Hause: Das Meer sieht schön aus, an diesem herausragenden Fleck im Süden Spaniens. Marbella hatte damit einen Namen, aber mehr als ein Fischerdorf entwickelt sich lange nicht. Die ganze Costa del Sol fischt – und schläft ansonsten weiter vor sich hin.

Es dauert bis in die 1950er Jahre, bis Begriffe wie Costa del Sol, Marbella oder Puerto Banús langsam, sehr langsam auf der Landkarte der Traum-Urlaubsziele auftauchen. Dort sind sie allerdings bis heute unausradierbar geblieben. Der Aufstieg Marbellas zum Jetset-Reiseziel ist eng verbunden mit zwei Männern:
Alfonso von Hohenlohe – lebenslustiger Visionär – kauft außerhalb von Marbella zum günstigen Preis eine Menge Land, das später als „Marbella Club“ berühmt wird. Der zweite prägende Name in diesem Zusammenhang ist Graf Rudolf „Conde Rudi“ von Schönburg, Hotelprofi und Gentleman. Letzterer ist bis heute die gute Seele des Marbella Club.

Die beiden Herren wissen zu feiern und tun dies am liebsten mit reichen und erfolgreichen Freunden, Verwandten und Familien. Sie kommen alle: die Windsors, die Agnellis, die Kennedys, die Rothschilds, sowie jene aus Monaco oder Saudi-Arabien. Sie alle befüllen die ehemalige andalusische Einöde mit Glamour, Party, Geld und Mythos.

Der exklusivste Beach Club, die größten Yachten, die teuerste Einkaufsstraße Europas – Marbella wurde der Ort für den internationalen Jetset. Zwei Männer hatten mit ihren Partys den Geldadel in Bewegung gebracht.

Aufzeichnungen aus dieser wilden Zeit lesen sich zunächst allerdings überraschend: Kostümfeste sollen unter anderem geboten gewesen sein, Ausritte per Esel zum Sangriatrinken oder Flamenco-Shows. Eine andere Zeit. Der Geschmack des modernen Geldadels verlangt heute sicherlich etwas aufwändigere Amüsements. Die der „Club der Clubs“ natürlich mittlerweile möglich macht.

Übrig geblieben ist Marbella als ein herausragend schöner – von Bausünden weitgehend bewahrter – Ort am Meer, der heute für jeden Geldbeutel eine Menge Möglichkeiten bietet. Legende, Mythos und verstohlene Blicke auf die vermeintliche High Society gibt es gratis dazu.

Wer allerdings hautnah in die exklusive Welt des Grandseigneurs Conde Rudi eintreten will, die mehr als 40.000 Quadratmeter große Hotelwelt des Marbella Club mit privaten Villen und tropischen Gärten inspizieren und einen Drink im sagenumwobenen Beach Club nehmen will, der muss nach wie vor tief in die Tasche greifen.