Nirgendwo in Andalusien kann man – logisch – den Schnittpunkt der Kulturen und Kontinente so deutlich spüren, wie in Tarifa. Marokkanisches aus dem Autoradio – Maurisches überall in den engen Gassen, der Markthalle und der Burg Guzmán el Bueno. Die Burg ist eher eine Festung. Sie bildet den höchsten Punkt der Altstadt zum Meer und damit nach Afrika hin. Besonders hübsch ist die Anlage nicht, bietet aber den besten Rundumblick und kann zumindest vormittags besichtigt werden.

029 Tarifa Stadt Mietwagen Reisetipps Andalusien: Tarifa, die Supersüdstadt Europas

Schnucklig, bunt, lebendig: Tarifas Altstadt

Maurisches, Spanisches, Marokkanisches – und Italienisches dominieren den Eindruck von Tarifa. Italien? Das  schlägt sich vor allem einer auffallenden Häufung von Pizzerien nieder. In einigen wird zur Pizza sogar eine Schere anstelle von Messer und Gabel gereicht. Tarifa ist ein Sammelsurium der Stile, der Kulturen und der Menschen. Ein bisschen chaotisch, auf jeden Fall bunt, lebendig, liebenswert und anders als die anderen Orte entlang der Küstenlinie.

„Lebende” alte Steine
Tarifas Festung steht gefühlt etwas isoliert, das Leben konzentriert sich um das „Café Central” im weitgehend verkehrsberuhigten Ortskern. Die alten Stadttore sind ebenso in den Alltag integriert wie die Stadtmauer. Sie dient gar als Biergarten und Tanzfläche: Sowohl im Pub & Club „La Ruina“, als auch im Fischrestaurant „La Pescadería” speist und tanzt man in, an und auf der Mauer. Ausgefallene Lokale und Kneipen hat Tarifa deutlich öfter zu bieten als seine Stadtnachbarn.

Tarifa ist und bunt und spannend. Und lockt deshalb auch ein buntes und spannendes Volk an. Allen voran Wassersportler natürlich, die vielen Surferbars und Surfshops an den Ausfallstraßen sprechen eine deutliche Sprache. Tarifa ist aber auch ein klassischer Ort für Aussteiger, Althippies und Hängenbleiber. Kneipen mit vielsagengen Namen wie „Little Amsterdam“ finden sich zuhauf. In Tarifa bleiben, surfen und irgendwann eine Surferkneipe aufmachen. Warum nicht? Ein Aussteigertraum, der hier besonders oft wahr geworden scheint.

Mehr als 100 Bars und Kneipen soll es in und um Tarifa geben. Viele wechseln erstaunlich oft und schnell ihre Besitzer, Namen und Speisekarten. Jene Menschen, die in Tarifa sesshaft werden, gehören offensichtlich nicht unbedingt zur sesshaftesten Spezies. Viele (Wirte) teibt das Fernweh – und vielleicht auch der hier stets kräftig blasende Wind – nach einiger Zeit wieder fort.