Der Malaga-Blog von Sixt ist zurück – rechtzeitig zum absoluten Ausnahmezustand im andalusischen Jahreskalender: Die Karwoche ist in vollem Gange. Noch bis 4. April tobt die Semana Santa in den sonst oft beschaulichen Gassen Andalusiens. Die traditionellen christlichen Prozessionen der Bruderschaften legen die Innenstädte lahm und bieten hervorragende Einblicke in die Kultur und Geschichte Andalusiens. Die Heilige Woche in Sevilla gilt als besonders prächtig, aber auch als besonders ernst und sehr „heilig“. Im Gegensatz dazu steht die Semana Santa Málagas im Ruf, eher eine große Party zu sein. Davon unabhängig wird die Semana Santa aber in jedem andalusischen Dorf gefeiert.

Wer in den Wochen vor der Karwoche in Andalusien unterwegs war, dem sind sehr wahrscheinlich abends unvermittelt und für Außenstehende zunächst skurril anmutende Schauspiele begegnet, die sich in jedem Ort ähneln: Zu später Stunde üben junge Männer dicht an dicht gedrängt, schwitzend, unter einem offensichtlich schwergewichtigen Stahlgerüst das Marschieren. Gleichschritt, angetrieben von einem „Trainer“, der nicht an lauten und scharfen Kommandos spart. Die jungen Männer quälen sich unter der Last, setzen das Gerüst mehrmals ab, um es auf Befehl wieder möglichst gleichmäßig hochzunehmen und um verwinkelte Ecken andalusischer Innenstädte zu bugsieren. Immer im Gleichschritt.

Büßen mit Prestige
Die offensichtliche Schinderei ist eine Ehre. Die 30 bis 50 Träger, Costaleros genannt, wuchten eine Szene des Leidensweges Christi, eine Kapelle oder am Ende des Zuges ein Abbild der Jungfrau Maria auf ihren Schultern durch die Straßen. Sie schützen ihre Köpfe mit einem typischen weißen Tuch. Zwei Arten von Büßern, Nazarenos und Penitentes, marschieren barfuß dazwischen, mit Kerzen oder Kreuzen in den Händen, erstere mit hohen weißen Spitzhauben, die die Gesichter verdecken. So bewegt sich die Prozession vom Viertel der jeweiligen Bruderschaft auf vorgegebenen Wegen zur Kapelle, um Buße zu tun. Hin- und Rückweg dauern oft viele Stunden.

Die vielen Kerzen, die riesigen Kreuze, hohe Kapuzen und die Paso genannten kunstvollen Aufbauten, oft begleitet von tragender Marschmusik, erzeugen vor allem in den Abendstunden der Semana Santa eine fesselnde und unvergessliche Atmosphäre. Eine Reise in eine scheinbar andere Zeit. Auch das ist Andalusien. Die Teilnehmer der Prozessionen genießen hohes Ansehen in ihrer Gemeinde, sie trainieren hart für die Semana Santa. Wer sich zum Beispiel durch sein weißes Tuch auf dem Kopf als Costalero zu erkennen gibt, erhält in vielen Bars Vergünstigungen.

Eine kleine Bar, in die sich normale Touristen wahrscheinlich eher nicht hinein verirren würden, ist die Taberna La Fresquita in Sevilla, nur 150 Meter von der Kathedrale entfernt. Eine echte Mini-Bar, in der die Einheimischen dicht gedrängt Minitoasts mit spanischer Blutwurst essen oder einfach einen Kaffee trinken. Die Bar ist echt und laut. Und es ist das ganze Jahr über Semana Santa: Weihrauch liegt in der Luft und auf einem uralten Fernseher laufen Prozessionsbilder in Endlosschleife. Teilnehmer der Prozessionen erhalten hier ein Spezialmenü für 2 Euro.

In der Taberna La Fresquita lässt sich spüren, wie wichtig und wie ernst es den echten Sevillanos mit der Karwoche ist und welche herausragende Rolle die Semana Santa im andalusischen Festtagskalender einnimmt.